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Projektintelligenz

Der Begriff der Projektintelligenz wurde von Bernhard M. Scheurer in seinem Buch „Intelligentes Projektmanagement - Planen Wagen Gewinnen“ (DVA, 2002) geprägt; mit ihm wird die Fähigkeit eines Menschen bezeichnet, originelle Ideen zu entwickeln, diese auf ihren praktischen Nutzen hin zu untersuchen und sie gegebenenfalls in Form eines Projekts umzusetzen.

Diese Fähigkeit macht Scheurer an zwei Persönlichkeitsmerkmalen fest: Spirit (Kreativität, visionäre Kraft, Begeisterung; lat./engl.: "Geist") und Pragma (Sinn für das Praktische und Nützliche, Tatkraft; altgriech.: "Handeln", "Wirklichkeit", "Unternehmen"). Die Projektintelligenz einer Person ist danach umso größer, je stärker bei ihr diese beiden Merkmale ausgeprägt und miteinander verzahnt sind. Bezogen auf eine Personengruppe - z. B. eine Firma, eine politische Organisation oder eine Sportmannschaft - verwendet Scheurer die Bezeichnung "Projektfähigkeit".

In seinem neuen Buch „Projektherz – Das Handwerk der Inspiration“ (Daedalus Verlag, 2010) hat der Autor den Projektintelligenz-Begriff weiterentwickelt und mit anderen Modellen verknüpft, z. B. mit den "Projektarchetypen" und mit der "DAFFODIL-Methode". Ferner wird ein neuer Ansatz zur Bestimmung der Projektfähigkeit eines Teams vorgestellt.

Basis für die rechnerische Ermittlung der Projektintelligenz (PI) von Individuen sind die jeweiligen Werte für IQ (Intelligenzquotient) und EQ (emotionale Intelligenz). Vorausgesetzt wird hierbei:

  1. Es gibt einen zuverlässigen Test zur Messung des Intelligenzquotienten (IQ) eines Menschen.
  2. Es gibt ein ebenso zuverlässiges Verfahren zur Messung der emotionalen Intelligenz der betreffenden Person, wobei der Messwert mit EQ bezeichnet wird.
  3. Der Mittelwert liegt für beide Verfahren bei 100.
  4. Die beiden Messverfahren sind unabhängig voneinander, d. h. weder beeinflussen sich die Messvorgänge gegenseitig noch gibt es nennenswerte Überschneidungen bei den gemessenen Teilintelligenzen.

Davon ausgehend definiert Scheurer die Projektintelligenz (PI) folgendermaßen:

PI = 0,01 EQ IQ.

In der folgenden Grafik wird diese Formel durch drei beispielhafte Fälle (A, B und C) veranschaulicht:

Grafik zur Projektintelligenz

In jedem der drei Fälle hat das zugehörige Rechteck den EQ- bzw. den IQ-Wert einer fiktiven Person als Seitenlänge; im Fall B beispielsweise betragen die Seitenlängen 50 und 140. Der zugehörige PI-Wert ergibt sich dann aus der Fläche des Rechtecks, multipliziert mit 0,01:

PI = 0,01 50 140 = 70.

Die drei Fälle lassen sich folgendermaßen interpretieren:
Fall A: IQ und EQ der betreffenden Person haben beide den Mittelwert 100. Das Resultat ist ein ebenfalls durchschnittlicher PI-Wert von 100.

Fall B: Es handelt sich um einen Menschen mit einem sehr hohen IQ, dessen Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz jedoch weit unter dem Durchschnitt liegen. Trotz des hohen IQ liegt der PI-Wert bei 70, d. h. die Projektintelligenz ist sehr gering.

Fall C: In diesem Fall hat die Person einen durchschnittlichen IQ. Der EQ liegt mit 120 deutlich über dem Durchschnitt; somit ergibt sich auch für die Projektintelligenz ein überdurchschnittlicher Wert.

Bezüglich der Einordnung des Projektintelligenz-Begriffs rät der Autor zur Vorsicht und zu einer „Prise Skepsis“ (Auszug aus dem 9. Kapitel von „Projektherz“):

  • Mit dem Konstrukt ‚Projektintelligenz‘ soll nicht die ganze Welt des Denkens, der Psyche und der sozialen Prozesse erklärt werden; es geht um das Ergründen der Fähigkeit, Projekte zu generieren, zu planen und erfolgreich abzuschließen.
  • Dieses Konstrukt ist nicht das Ergebnis wissenschaftlicher Studien, sondern eine Arbeitshypothese auf der Basis von Erfahrungen; sie soll anregen zu weiteren Untersuchungen.
  • Ähnlich wie bei den Projektarchetypen ist auch bei der PI-Formel der Ansatz äußerst einfach, aber: Projektintelligenz ist nicht zweidimensional, wie die obige Abbildung mit den drei Fallbeispielen zunächst vermuten lässt; IQ und EQ sind beide mehrdimensional, sie sind jeweils aus unterschiedlichen Teilintelligenzen zusammengesetzt…
  • Der „Pfiff“ bei der PI-Formel ist das Malzeichen. So … sind kognitive und emotionale Kompetenzen nicht „aufzuaddieren“, sondern „hochzumultiplizieren“…
  • Unerlässlich bei allen Überlegungen ist der Prozessgedanke. Projektintelligenz entwickelt sich, sie ist veränderbar, vor allem der EQ-Anteil …

 

Literaturhinweise: